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Mail von Hajo - Kritik an dem Kalender der Gesellschaft für bedroht Völker und dem Friedenskalender von Harms

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Es ist klar, dass auch ein politisch engagierter Buch-Vertrieb nicht zu 100% hinter dem Inhalt jedes der in seinem Katalog angebotenen Produkte stehen kann und will. Genauso klar aber müsste sein, dass die notwendige Bandbreite des Angebots nicht mit Beliebigkeit gleichzusetzen ist. Veröffentlichungen etwa mit rassistischer oder kriegstreiberischer Tendenz sollten doch wohl nicht im Angebot des Katalogs enthalten sein - und zwar völlig unabhängig, ob sie möglicherweise 'gut laufen'. Deshalb finde ich es unbegreiflich, dass in Eurem Angebot auch der Kalender jener 'Gesellschaft für bedrohte Völker' aufgenommen wurde, die seit Jahren eine aggressive antiserbische Hetze zwecks Forcierung der westlichen Einmischungs- und Kriegspolitik auf dem Balkan betreibt. Gerade diese, zunächst vor allem von Deutschland initiierte, aber seit dem Spätsommer 1991 von der Gesamtheit der westlichen Herren-Staaten verfolgte Politik ist es doch, die wesentlich für eine Eskalation der dortigen Krisen bzw. ihr Umschlagen in Kriege gesorgt hat. So war es doch die verfrühte Anerkennung Kroatiens und die Einführung der ersten Sanktionsmassnahmen gegen Jugoslawien Ende 1991, die den (muslimisch-kroatischen) Sezessionsneigungen dann auch in Bosnien-Herzegovina enormen Auftrieb gab. Und die völkerrechtswidrige Anerkennung des - real noch gar nicht bestehenden! - Staats 'Bosnien-Herzegovina' am 6. April 1992 schliesslich war doch das Zeichen für die Sezessionskräfte, ihre vermeintliche Souveränität nun, wenn nötig auch gewaltsam, effektiv durchzusetzen. Sie war somit der direkte Startschuss zum Bürgerkrieg und damit auch zu all seinen Untaten - die keineswegs ausschliesslich, oder nahezu ausschliesslich, von serbischer Seite begangen wurden. Die westliche Politik auf dem Balkan seit 1991 ist, und da könnte man nun Seiten schreiben, ein einziges Verbrechen gegen den Frieden. Um dies zu vernebeln, gab und gibt es eine weitgehend gleichgeformte, absurd einseitige und verfälschende Berichterstattung mit dem monströsen Feindbild 'Serbien' bzw. 'Milosevic'. Es ist richtig, dass diese Berichterstattung und dieses Feindbild auch in den Medien selbst hin und wieder kritisiert wurde und wird - doch nur um anschliessend unbeirrt weiterzumachen! Militarismus und Kriegspolitik brauchen eben die sie fütternde Feindbild-Propaganda. Deshalb muss man viel mehr Sensibilität in Bezug auf diese Propaganda entwickeln, muss sie wo immer möglich kritisieren - anstatt sie zu vertreiben! Und damit bin ich wieder beim Kalender der 'Gesellschaft für die Bedrohung der Völker': Mag sein, dass dort, zu anderen Themen, beispielsweise über die Lage der Ureinwohner Australiens oder Amerikas, auch durchaus Richtiges steht. Aber das macht die Sache doch nicht besser, ganz im Gegenteil. Es ist doch gerade diese Mischung von Wahrheit und Lüge in ein und demselben Kalender, die die Kriegspropaganda zielgruppenspezifisch aufbereiten und glaubhaft machen soll! Deshalb mein Vorschlag: Nehmt diesen Kalender aus Eurem Katalog. Er ist dort genausowenig am Platz wie, um verdeutlichende Beispiele zu bilden, ein Frauen-Kalender, in dem kräftig gegen Ausländer gehetzt würde, oder ein Öko-Kalender, der sich für Sozialabbau stark machen würde. Deplaziert aber erscheint mir im Sinne des Vorgenannten leider auch noch ein zweiter, in Eurem Katalog aufgenommener, Kalender, nämlich der 'Friedenskalender' des Volker Harms. Der übernimmt nicht nur kriegstreiberische bzw. kriegsrechtfertigende Beiträge der 'Gesellschaft für die Bedrohung der Völker', sondern kommt in seinem Vorwort auch zu dem Schluss, es sei 'ein vielschichtiges Problem, ob die Intervention der NATO im Kosovo moralisch berechtigt war'. Na Bravo! So kann man einen Aggressionskrieg, einen klaren Völkerrechts- und Verfassungsbruch, natürlich auch leugen bzw. verharmlosen. Einen Krieg wohlgemerkt, den DEUTSCHLAND zum ersten Mal wieder direkt führte. Einen Krieg wohlgemerkt, der die vielbeschworene ethnische Säuberung überhaupt erst realisiert hat: zuerst in Form einer teilweisen Vetreibung schätzungsweise 50 bis 60%) der Kosovo-Albaner, dann aber in Form einer nahezu gänzlichen Vertreibung der Kosovo-Serben, der Roma, der Goranci, usw. Letztere im übrigen nicht in einer Situation von Bombardements und Kämpfen, sondern des Frieden (à la NATO!). Ein Krieg schliesslich, der Tausende, im Kosovo und im sonstigen Serbien, ihres grundlegendsten Menschenrechts, nämlich des Rechts auf Leben, beraubt hat! Und da soll es, so Harms, 'gute Argumente' auch dafür geben, dass dieser Krieg moralisch berechtigt gewesen wäre!? Man fasst es nicht. Nein, spätestens seit den NATO-'Friedensplänen', ihren 'Friedenstruppen' etc,. gilt die gute alte Nutella-Regel (da wo es draufsteht, ist es auch drin) in Bezug auf den Frieden nicht mehr so ohne weiteres. Und Friedenskalender machen da offensichtlich leider keine Ausnahme. Man muss dann also schon einmal kritisch deren Inhalt beäugen und prüfen. Und wenn dann der Inhalt zwar zu 80% der Deklaration entspricht, zu 20% aber etwas völlig Anderes, genauer Inkompatibles, beigemischt wurde, ja dann stimmt eben das Produkt insgesamt nicht!

 

 
   
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